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Blogbeitrag 01.09.2026 | 5 Min. Lesezeit | Mythen & Fakten

Migräne und psychische Gesundheit: Die grössten Mythen und Fakten

Migräne betrifft nicht nur den Körper, sondern oft auch die mentale Gesundheit. Trotzdem gibt es gerade hier viele Missverständnisse und Vorurteile.

Migräne und psychische Gesundheit: Die grössten Mythen und Fakten

Migräne betrifft nicht nur den Körper, sondern oft auch die mentale Gesundheit. Trotzdem gibt es gerade hier viele Missverständnisse, Vorurteile und oft gut gemeinte, aber verletzende Aussagen.

74 % der Migränepatientinnen und -patienten fühlen sich von medizinischen Fachkräften nicht ernst genommen. Studie der Europäischen Migräne- und Kopfschmerzallianz (EMHA)
26 % der Befragten, die nicht an Migräne litten, glaubten, die Krankheit sei nichts anderes als starke Kopfschmerzen.

Eine Studie der Europäischen Migräne- und Kopfschmerzallianz (EMHA) zur Stigmatisierung bei Migräne besagt: 74% der Migränepatientinnen und -patienten fühlen sich von medizinischen Fachkräften nicht ernst genommen. Und 26% der Befragten, die nicht an Migräne litten, glaubten, die Krankheit sei nichts anderes als starke Kopfschmerzen.

Zeit, mit den wichtigsten Mythen aufzuräumen und sie durch Fakten zu ersetzen.

Mythos 1: «Migräne ist nur psychisch» – Was die Wissenschaft sagt

Einer der hartnäckigsten Mythen überhaupt. Viele Betroffene hören Sätze wie:

«Das ist doch nur Stress.» «Du steigerst dich da rein.» «Das ist psychosomatisch.»

Die Wahrheit ist: Migräne ist eine neurologische Erkrankung.

Im Gehirn laufen während einer Attacke komplexe Prozesse ab – unter anderem in der Reizverarbeitung und bei bestimmten Botenstoffen. Diese Veränderungen konnten in Studien gezeigt werden.

Ja, Stress kann eine Rolle spielen. Aber Stress ist ein Auslöser, nicht die Ursache.

Mythos 2: «Du denkst einfach zu viel daran» – Die unsichtbare Last der Migräne

Vielleicht kennst du diesen Satz: «Wenn du dich weniger darauf konzentrieren würdest, wäre es besser.»

Das Problem: Migräne lässt sich nicht wegdenken.

Viele Betroffene leben mit einer ständigen Unsicherheit. Fragen wie:

  • Wann kommt die nächste Attacke?
  • Kann ich meine Pläne umsetzen?
  • Was, wenn ich kurzfristig absagen muss?

Diese Gedanken sind keine Übertreibung, sondern sie sind Teil der Realität mit Migräne.

Die Erkrankung ist oft unberechenbar. Genau das sorgt für mentale Belastung. Nicht, weil man zu viel denkt, sondern weil der Alltag immer wieder unterbrochen werden kann.

Mythos 3: «Entspann dich einfach» – Warum das zu kurz greift

Ein Klassiker. Gut gemeint, aber oft frustrierend.

Ja, Entspannung kann helfen. Und ja, Stress ist ein häufiger Trigger für Migräneattacken. Aber daraus zu schliessen, dass man Migräne einfach wegentspannen kann, greift viel zu kurz.

Denn Stress lässt sich nicht komplett vermeiden. Schule, Arbeit, Verpflichtungen, soziale Erwartungen – all das gehört zum Leben dazu.

Zu sagen «Entspann dich doch einfach» kann sich deshalb anfühlen wie: «Das Problem liegt bei dir.»

Mythos 4: Migräne und Depression – ein unterschätzter Zusammenhang

Migräne ist eine körperliche Erkrankung, kann sich aber auch auf die psychische Gesundheit auswirken. Studien zeigen, dass Menschen mit Migräne häufiger unter Depressionen oder Angststörungen leiden. Ein möglicher Grund dafür ist, dass Migräne und psychische Erkrankungen gemeinsame biologische Grundlagen haben. Zudem können sie sich gegenseitig beeinflussen und verstärken.

Migräne belastet also nicht nur während der Attacke, sondern auch dazwischen:

  • Die Angst vor dem nächsten Anfall
  • Das Gefühl, nicht verlässlich zu sein
  • Wiederholte Absagen
  • Das ständige Planen und Umplanen

Diese Dauerbelastung kann auf die Psyche gehen.

Mythos 5: «Du bist zu empfindlich» – Biologie, keine Schwäche

Ein Satz, der besonders viel Schaden anrichten kann. Denn er stellt nicht nur die Erkrankung infrage, sondern auch die Person selbst.

Migräne hat nichts mit Empfindlichkeit im Sinne von Schwäche zu tun. Vielmehr reagiert das Nervensystem anders. Reize wie Licht, Geräusche oder Stress werden intensiver verarbeitet. Somit können Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen sowie Seh- oder Sprachstörungen den Alltag erheblich beeinträchtigen und selbst einfache Tätigkeiten erschweren.

Das ist kein Charakterzug. Das ist Biologie.

Viele Betroffene versuchen, besonders stark zu sein. Sie gehen trotz Schmerzen zur Arbeit, sagen selten ab und versuchen, normal zu funktionieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Beschwerden weniger belastend sind. Im Gegenteil: Wer sich trotz einer Migräneattacke durch den Alltag kämpft, riskiert, die eigenen Grenzen zu überschreiten und die Erkrankung zu verschlimmern.

Mythos 6: «Das ist doch nicht so schlimm» – Die Unsichtbarkeit von Migräne

Weil Migräne unsichtbar ist, wird sie oft unterschätzt. Von aussen sieht man nicht:

  • Wie stark der Schmerz wirklich ist
  • Wie sehr Licht oder Geräusche belasten
  • Wie erschöpfend eine Attacke sein kann

Migräne wird im Vergleich zu anderen Erkrankungen oft weniger ernst genommen. Das kann dazu führen, dass Betroffene sich rechtfertigen müssen, sich zurückziehen oder sich selbst nicht mehr trauen, ihre Grenzen zu zeigen.

Mythos 7: «Lerne einfach besser damit umzugehen» – Grenzen des Selbstmanagements

Natürlich kann es helfen, Strategien zu entwickeln: Trigger erkennen, Pausen einbauen, Stress reduzieren. Aber das bedeutet nicht, dass man Migräne vollständig «im Griff» haben kann. Die Erkrankung bleibt oft unberechenbar.

Und genau das ist belastend: Nicht zu wissen, wann es wieder losgeht. Nicht planen zu können. Sich ständig anpassen zu müssen.

Die psychische Seite von Migräne: Was viele nicht sehen

Neben den körperlichen Symptomen gibt es eine zweite Ebene, über die viel zu selten gesprochen wird:

  • Die ständige Anspannung
  • Die Angst vor Schmerzen
  • Das Gefühl, etwas zu verpassen
  • Die Angst, andere zu enttäuschen
  • Schuldgefühle nach Absagen

Diese Gedanken begleiten viele Betroffene oft leise im Hintergrund.

Und genau deshalb ist es so wichtig, Migräne ganzheitlich zu betrachten: nicht nur als Schmerz, sondern als Erkrankung, die das ganze Leben beeinflussen kann.

Migräne in der Schweiz: Du bist nicht allein – und es gibt Hilfe

Wenn du Migräne hast und dich in diesen Gedanken wiedererkennst: Du bist nicht allein.

Millionen Menschen weltweit erleben Ähnliches. Viele kämpfen mit denselben Fragen, denselben Zweifeln, denselben Vorurteilen.

Und vor allem: Du bildest dir das nicht ein.

Sprich darüber – du bist nicht allein.

Du musst dich nicht rechtfertigen. Du musst dich nicht zusammenreissen, nur damit es für andere einfacher ist. Und du musst da nicht alleine durch.

Sprich darüber. Teile deine Erfahrung. Hol dir Unterstützung, wenn du sie brauchst.

Denn je mehr wir über Migräne sprechen desto weniger Platz bleibt für Mythen. Und desto mehr Platz entsteht für das, was wirklich hilft: Verständnis.

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